Sechs Jahre von Charlotte Link

 

Charlotte Link gehört zu einer meiner Lieblingsautoren. Bisher kannte ich sie aber nur durch Kriminalromane, Gesellschafts- und Spannungsromane. Ihr 2014 herausggekommenes, neuestes Werk ist ganz anders als die bisherigen – es ist das persönlichste Buch, was sie geschrieben hat. Mich hat dieses Buch sehr berührt – deshalb möchte ich es hier einmal näher vorstellen.

 

Inhalt

In diesem Buch berichtet Charlotte Link auf sehr eindringliche und berührende Weise über die Krebs-Krankheit ihrer Schwester Franziska und ihren viel zu frühen Tod. 6 Jahre lang begleitet Charlotte ihre Schwester durch Höhen und Tiefen dieser Krankheit. Sie beschreibt sehr nachvollziehbar ihre Angst um ihre Schwester. Der Leser erhält einen guten und emotionalen Einblick in die familiären Gegebenheiten. Man spürt den festen Zusammenhalt aller Familienmitglieder und den Kampf aller gegen die Krankheit. Besonders mit ihrer Schwester verbindet Charlotte Link sehr viel. Sie sind nicht nur Schwestern, sondern auch Freundinnen, die keine Geheimnisse voreinander haben. Da Charlotte ihre Schwester so gut kennt, konnte sie auch die Gedanken und Gefühle von Franziska besonders gut darstellen. Ich glaube, jeder kann sich gut vorstellen, welch eine Katastrophe so eine Krebs-Diagnose von einem Familienmitglied auslöst.

 

Aber nicht nur die Diagnose, die stellenweise unmenschlichen Behandlungsmethoden und die Angst der nahen Familienmitglieder beschreibt Charlotte Link in ihrem Buch, sondern auch den Klinikalltag in Deutschland. Charlotte setzt sich sehr kritisch mit der Ärzteschaft auseinander. In ihrem Buch erfährt der Leser beispielsweise, wie unmenschlich und brutal ihrer Schwester die Krebs-Diagnose mitgeteilt wurde. Vor allem, die von den Ärzten dargestellte Hoffnungslosigkeit, prangert Charlotte Link an. Die erste Krebs-Behandlung hat ihre Schwester besiegt. Nach vielen Jahren ist der Krebs mit Metastasen in der Lunge leider zurück gekommen. Mehrere Ärzte haben Franziska einfach so an den Kopf geknallt, dass sie nur noch 2 Jahre zu leben hätte. Sie teilten Franziska auch mit, dass keinerlei Hoffnung besteht. Die ganze Familie suchte nun nach Möglichkeiten, dem Leben noch etwas Zeit abzugewinnen oder sogar die Krankheit zu besiegen. Schließlich wurde Franziska schon einmal eine Fehldiagnose gestellt. Nachdem sie zum ersten Mal erfolgreich den Krebs besiegt hatte, erfuhr sie von den Ärzten, dass sie durch die starke Strahlenbehandlung keine Kinder bekommen könnte. Dem war aber nicht so. Franziska bekam 2 Kinder. Deswegen nahm die ganze Familie auch dieses Mal nicht so ohne weiteres die Todesdiagnose hin. Die Mutter von Franziska kümmerte sich in der Zeit der Krankenhausaufenthalte um die Enkel. Franziskas Ehemann schmiss den Haushalt und ging weiter seinem Beruf nach, um den Kindern etwas bieten zu können und nicht noch finanziell in den Ruin getrieben zu werden. Charlotte suchte nach alternativen Behandlungsmethoden und Ärzten, die ihrer Schwester Hoffnung geben konnten.

 

Somit fand die Familie Ärzte, die engagiert und menschlich mit Franziska umgingen. Die Metastasen konnten operiert werden und Franziska hatte für mehrere Jahre Ruhe. Durch die Narben auf der Lunge stand ihr aber ein Erstickungstod bevor, der der ganzen Familie große Angst machte. Berührend und schockierend erzählt Charlotte Link in ihrem Buch über die letzten Tage ihre Schwester im Krankenhaus. Als Leser kann man förmlich spüren, wie erschrocken die ganze Familie über den körperlichen Verfall Franziskas war. Franziska war immer eine hübsche Frau, nach der sich die Männer umgeschaut haben. Jetzt war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Besonders aufgewühlt hat mich der Überlebenswille Franziskas. Sie wollte nicht sterben – bis zuletzt.

 

Fazit

Dieses Buch berührt das Herz. Ich konnte mich unglaublich gut in Charlotte hinein versetzen. Ich konnte förmlich ihre Angst und ihre Sorgen um ihre Schwester spüren. Charlotte Link schreibt in einfacher und berührender Art und Weise, wie sie die 6 Jahre Kampf ihrer Schwester gegen die Krankheit und ihren Tod erlebt hat. Dieses Buch braucht keine Fremdwörter oder großen Phrasen – es wirkt durch seine Einfachheit und Ehrlichkeit. Nach dem Lesen des Buches brauchte ich erst mal mehrere Stunden, um wieder zum Alltag zurück zu finden. Dieses Buch wirkt unglaublich nach. Ich habe bis jetzt keine Lust, ein anderes Buch zu lesen. Als Fazit des Buches nehme ich mit, dass es sich lohnt, zu kämpfen und Hoffnung zu verbreiten. Dieses Buch ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit – faszinierend und gefühlvoll berichtet. Absolut empfehlenswert!